Theoretischer Hintergrund

Vor etwa zehn Jahren begann die pädagogische Arbeit mit dem „Schulhund“. Inzwischen sind 256 Schulen deutschlandweit registriert. Es handelt sich nicht um einen Therapiehund, sondern um tiergestützte Pädagogik. Die Grundidee ist, dass die pure Anwesenheit des Hundes das Lernen positiv unterstützt.

Rana

 Der Begriff „Schulhund“ ist insofern irreführend, da er nicht Eigentum der Schule ist oder beliebig im Gebäude herum läuft, sondern er ist immer mit seinen Halter/Halterin als festes Team in dessen Klasse unterwegs. Um Missverständnisse zu vermeiden, sprechen wir daher auch von Rana als Klassenhund.

Entwicklung und Beginn des Projektes „Klassenhund“

Im Rahmen der "Schulzoo-AG" im Schuljahr 2012/2013 begleitete mich hin und wieder meine Mischlingshündin Rana. Zunächst in kleiner Gruppe bei Spaziergängen, dann auch innerhalb des Schulgebäudes einzelne Schulstunden. Die Beziehung zwischen Kindern und Hündin war von Anfang an positiv geprägt.

Der Gedanke, dies auch pädagogisch gezielt einzusetzen, kam mit Schülern, die ansonsten eher als sozial auffällig und schwierig gelten.

Zwei Erlebnisse möchte ich dazu kurz schildern:

In der Mittagszeit betreue ich den Leseraum, in dem es immer wieder mit K. zu Diskussionen kommt, weil er verbotener Weise Schlagzeug spielt und andere in Ruhe lesen möchten.

Als mein Hund im Raum ist, stellt K. allen anwesenden Kindern unaufgefordert notwendige Regeln vor und sagt, dass es nicht zu laut sein darf, weil Hunde viel besser hören können, Er kenne sich aus, habe zu Hause auch einen Hund. Alle Zwei- und Vierbeiner werden – entgegen meiner Erwartung – ruhiger, sitzen in einer kleinen Gruppe um den Hund, streicheln das Fell.

Auf dem Schulhof fragt der oft hibbelige und regelverletzende M., ob er mal mit Rana an der Leine über den Schulhof laufen könne. Ich erlaube es, sofern er darauf achte, dass sie nicht in Scherben trete oder etwas fresse. Kurz darauf sehe ich ihn, Müll sammelnd mit dem Hund seine Runden drehen.

Diese Erlebnisse bestärkten mich schließlich darin, zusammen mit Rana eine Weiterbildung* durchzuführen.

* Nähere Informationen unter: www.schnauzenwelt.de

Für den schulpädagogischen Einsatz des „Klassenhundes Rana“ mussten neben grundsätzlichen Voraussetzungen beim Hund (freundliches Wesen, geimpft...) zunächst schulorganisatorische Bedingungen erfüllt werden.

Mit Zustimmung der Schulleitung, Schulkonferenz und einem Informationsbrief an die Eltern der Klasse, wodurch Allergien ausgeschlossen wurden, konnte das Projekt starten. Rana begleitet mich inzwischen an zwei Tagen in der Woche für 2-4 Unterrichtsstunden. Im Vorfeld wurden Umgangsregeln mit den Schülerinnen und Schülern besprochen.

Erfahrungen aus der Praxis

Das erste Schulhalbjahr 2013/2014 liegt nun bald hinter uns. Rana ist sehr beliebt und kommt gerne schwanzwedelnd zur Schule. Sie hilft dabei, dass es in der Klasse leise und sauber ist (auf sie wird generell mehr Rücksicht genommen, als auf mich). Die Schüler übernehmen Verantwortung, fragen immer selbstverständlich, bevor sie etwas mit Rana machen (An-/Ableinen, Wasser holen,...)

Rana unterstützt das Lernen, nicht nur im Mathematikunterricht, der durch gewürfelte Einmaleinsaufgaben spannender wird. Sie verhilft einigen Schülern zu neuem Selbstbewusstsein. In der „Schulhund-AG“ ist es mucksmäuschenstill, wenn ein Kind auf dem Bauch liegt, ein anderes Leckerli auf dem Körper verteilt und dann Rana „suchen“ schickt. Für diese Übung bedarf es Mut und Vertrauen.

Kinder, die ansonsten eher unruhig und laut sind, werden manchmal beim Streicheln ganz ruhig. Wenn es doch mal zu laut ist, zeigt Rana dies, indem sie sich vor die Tür setzt und raus möchte. Das ist aber selten der Fall. Meistens genießt sie es, wenn alle im Kreis um sie herumsitzen, erzählen, sie kraulen, ihr Aufgaben stellen und sie danach belohnen.

Begleitende Kommandos zum richtigen „Timing“.

Absolute Konzentration und Aufmerksamkeit – bei Hund und Kindern

Behutsam sucht Rana den versteckten Gegenstand im Rollstuhl.

 

Wichtige Regeln, die wir mit Rana beachten müssen

  1. Der Boden ist sauber.
  2. Ranzen sind zu (Essen verschlossen)!
  3. Wir lassen sie kommen und stürzen nicht auf sie zu.
  4. Wir erschrecken sie nicht, greifen nicht von oben über sie.
  5. Rana hat einen festen Platz (Decke) neben dem Wassernapf.
  6. Wir nehmen Rücksicht auf ihren guten Hörsinn (sind nicht so laut).
  7. Wir rennen nicht.
  8. Wir beachten die Hundesprache und geben klare Kommandos:

„Pfui!“, wenn sie leckt oder schnuppert, wo sie es nicht soll.

„Aus!“, wenn sie etwas nimmt, das sie nicht haben soll.

„Sitz!“, mit erhobenem Zeigefinger, wenn sie abwarten und aufmerksam sein soll.

„Platz!“ oder „Auf die Decke!“, wenn sie sich beruhigen soll.

Grünes Halstuch = darf gestreichelt werden!

Hände waschen nicht vergessen!!!

Elternbrief

Mein Name ist Rana. Ich bin eine 2 ½ jährige Mischlingshündin.

Meine Eigenschaften:

-        freundlich, kinderlieb

-        spielfreudig und gelehrig

-        habe die wichtigsten Kommandos gelernt

-        belle selten

-        bin geimpft und gesund

Ich war schon als Welpe in der Hundeschule, jetzt soll ich aber auch mal in die Windhofschule kommen. Zusammen mit meiner Chefin soll ich an ein bis zwei Tagen stundenweise mal in den Unterricht schnuppern. Viele kennen mich dort schon und ich bin spielende Kinder gewöhnt.

Ich darf aber nicht überall hin (z.B. nicht in die Küche) und werde auch nicht mit Schülern alleine gelassen.

Mit meiner Chefin nehme ich an einer Fortbildung zum Schulhund teil. Dort bekommen wir Tipps, was wir noch voneinander lernen können.

Bitte geben Sie den unteren Abschnitt unterschrieben zurück.

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Ich habe den Elternbrief zum Schulhund Rana zu Kenntnis genommen.

O       Es sind keine Hundehaarallergien bekannt.

         

O       Es besteht eine Hundehaarallergie bei meiner Tochter/meinem Sohn.

 

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Datum/Unterschrift der Erziehungsberechtigen

 

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